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Johannes 3, 14 -18

Predigt > Passion

Predigt zu Karfreitag und Passionsspiel 2007- Johannes 3, 14 -18

Liebe und Passion, der Tagesspruch für den Karfreitag markiert das Thema, das sich hier in diesen Tagen abspielt. Als Predigttext lese ich aus Johannes 3, 14 -18, dem Nachtgespräch zwischen Nikodemus und Jesus.

Wie Mose in der Wüste die Schlange erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden,
damit alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben.
Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.
Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, dass er die Welt richte, sondern dass die Welt durch ihn gerettet werde.
Wer an ihn glaubt, der wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt, der ist schon gerichtet, denn er glaubt nicht an den Namen des eingeborenen Sohnes Gottes.

Liebe - Schwestern und Brüder in Jesus Christus,

Liebe - in der Anrede steckt schon das ganze Evangelium. Liebe, die uns zu Schwestern und Brüdern, zu Freunden und Freundinnen über Grenzen hin weg macht..
Aber was ist eigentlich Liebe? Gott ist Liebe. Johannes der Evangelist und Briefeschreiber setzt ein Gleichheitszeichen dazwischen. An Gott glauben heißt an die Liebe glauben und umgekehrt an die Liebe glauben heißt an Gott glauben.
Aber was ist Liebe? So geheimnisvoll wie Gott ist auch die Liebe:
Für die griechischen Philosophen war die wahre Liebe die platonische, rein geistig ohne Fleisch. Moderne Naturwissenschaftler sehen darin eine besondere Verknüpfung von Nervenzellen im Gehirn, der Ausschüttung von Botenstoffen und Hormonen, ein Trick der Evolution zur Vermehrung der Lebenstüchtigsten.
Bei Johannes begegnet sie uns als lebendige Beziehung von Geist und Natur. „... und das Wort ward Fleisch, beginnt sein Evangelium“. Bei dem ersten Wunder, das Jesus tut fließt reichlich Wein. Wenn man der Liebe ein Fest feiert, wie auf der Hochzeit zu Kana, dann gehört auch das ganz Irdische dazu. Jesus segnet das Zeitliche vom Anfang bis zum Ende.
So also hat Gott die Welt geliebt: mit Haut und Haaren, mit Fleisch und Blut. Der Geist, der die Welt erschuf voll und ganz in einem einzigartigen Menschenleben, dem eingeborenen Sohn,
Aber Liebe ist nicht nur Fleisch und Blut. In der zweiten Geschichte des Johannesevangeliums geht Jesus gegen die Banken im Tempel vor und die Fleischverkäufer. Wenn die Liebe zur Ware wird, dann ist das nicht mehr die wahre Liebe. Gott ist nicht käuflich.
Was ist Liebe? In zwei Gesprächsgängen entfaltet das Johannesevangelium das Thema in den Kapitel 3 und 4. Das erste Gespräch ist ein Nachtgespräch mit Nikodemus, einem Pharisäer aus der jüdischen Oberschicht, fromm und gebildet.
Das zweite Gespräch ist am Nachmittag mit einer mehrfach geschiedenen Frau aus Samarien, wohl ganz und gar nicht fromm.
Gegenüber dem frommen Pharisäer betont Jesus: Gott wird Menschenfleisch, liebt und leidet als Mensch.
Der Dame, die wohl reichlich Erfahrung mit fleischlicher Liebe hat sagt er: Gott ist Geist.
So wird er zum Heiland, der die Welten verbindet. Er heilt die Menschen an Leib und Seele.

In der Mitte des ersten Gesprächs, des Nachtgesprächs mit Nikodemeus stehen diese Worte, der Tagesspruch für den Karfreitag: So hat Gott die Welt geliebt,... Hören wir ihn noch einmal in besonderer Betonung für die Gebildeten.

Gott hat Welt, den Kosmos geliebt. Liebe ist der Anfang von allem. Ja, man kann diese Welt wahrhaftig lieben.
Sie ist kein Uhrwerk, das mit eiserner. Notwendigkeit abläuft. Es ist nichts vorherbestimmt, sondern zur Liebe gehört Freiheit. Wer einen anderen liebt lässt ihm die Freiheit zu wählen. Gott lässt den Menschen die Freiheit, ihn zu erwählen oder zu verwerfen. Diesen Gott, der da in Jesus zur Welt kommt. da muss keiner dran glauben. Wer sich aber auf den Logos, die Logik des Glaubens einlässt, der entdeckt wohl, dass er ein Kind des Himmels ist: himmlisch geliebt und mit Freiheit beschenkt, mit der Kraft zur Hingabe an ein Werk. Gott bleibt in dieser Logik auch der Schöpfer der Welt, aber nicht wie bei einem Uhrwerk, wo alles fest vorherbestimmt abläuft, sondern er ist der Schöpfer des Möglichen. Er beschenkt und bereichert unser Leben mit Möglichkeiten von Ewigkeit her. Diese zu entdecken, zu ergreifen und das eine zu erwählen, das andere zu verwerfen dazu sind wir prädestiniert, das ist unserer Würde als freie Menschen.
Gott als Schöpfer des Möglichen, das ist seine Allmacht.
An diese Allmacht können wir uns im Gebet wenden, und wir können Erhörung erfahren, sodass plötzlich in unserem Leben etwas drin ist, was vorher so nicht drin war.
„Wie Moses in der Wüste die Schlange erhöht hat.“ Das Johannesevangelium erinnert an die alte Geschichte vom Auszug aus der Sklaverei in Ägypten. Das Volk will in die Freiheit. Selbstbestimmt leben wollen sie, doch ohne die Mühsal einer Wüstenwanderung. Weil das gelobte Land nicht gleich da ist, werden sie unzufrieden und kritisieren erst einmal ihre Politiker, ihre Führungskräfte, den Moses vor allem. Und das Murren und Jammern geht weiter und vergiftet das Leben: wechselseitige Schuldzuweisung, viele kleine Schlangen zischeln da herum und verbreiten ihr Gift. Sie vergiften das Leben und bringen das ganze Volk in Gefahr.
Als Heilmittel gegen die vielen kleinen Schlangen richtet Mose eine große Schlange auf, die eherne Schlange. Das Gift kommt damit in den Blick und somit auch die Möglichkeit der Heilung.
Gott will ja nicht die Welt zugrunde richten, weder uns kleine Leute noch die Großen da draußen. Er will, dass sein Volk lebt und seinen Weg geht. Er hat seinen Sohn nicht in de Welt gesandt, dass er die Welt richte, sondern dass die Welt durch ihn gerettet werde.
Richten und Hinrichten, Urteilen und verurteilen, das machen wir Menschen ja schon häufig genug. Wir richten unser Leben zugrunde oder das der anderen.
Dann fällt all das auf uns selbst zurück und wir wissen nicht wie es weiter gehen soll. Wir wissen nicht, wie wir die giftigen Schlangen wieder los werden können, die wir doch selbst herbeigerufen haben. Wir können weder richtig leben noch sterben.

Wir blähen aus fürchterlich auf, um ein bisschen wahrgenommen zu werden, und sind dann wie ein aufgeblasener Luftballon. Ein kleiner Nadelstich und schon platzen wir. Ein bisschen zu viel aufgeblasen und mit einem lauten Knall verabschiedet sich der ganze faule Zauber aus der Weltgeschichte. Die Luft ist raus, und alles was bleibt ist ein wenig verschrumpelte Haut.

Gott macht das nicht so. Der muss sich nicht aufblähen. Der ist schon was, von Anfang an. Der kann sich ganz klein machen wie ein Mensch. Und dann ist er so unter uns. Wie ein Kind, wie der allermenschlichste Mensch.
Er muss auch nicht gleich die ganze große Erde retten. Er fängt damit an, dass er erst einmal deine und meine kleine Welt rettet. Er schenkt uns Glauben, wo wir selbst schon keinen mehr haben. Da ist eine Stimme, die sagt dir: Ich glaube an dich. Da ist einer, der gibt dir wieder Hoffnung, wo sonst nichts mehr zu hoffen ist. Da ist eine neue Liebe, wie ein neues Leben. Noch einmal neu geboren. Wobei die neue Liebe - um hier nicht missverstanden zu werden - auch durchaus mit dem alt vertrauten Partner sein kann. Jedenfalls neuer Geist in einer müde gewordenen Welt.

Was ihnen da genau passiert ist in der Zeit mit Jesus bis zum Karfreitag, werden die Jünger und Jüngerinnen Jesu erst nach drei Tagen zu begreifen beginnen. Auch vom Tod Jesu zeichnet uns die Bibel das Bild eines ganz natürlichen menschlichen Trauerprozesses. So hat Gott die Welt geliebt, dass er sich ihr ganz hingibt bis zum Tode und dem was danach kommt – ganz und gar.
Zorn, Trauer, Fassungslosigkeit - ja das erleben die Jünger auch. Vielleicht bündelt sich das alles in dem einen Satz: Wenn Gott so was zulässt. Wenn ein solcher Mensch, ein solch guter Arzt , ein hervorragender Seelsorger, einer der doch nur helfen wollte, wenn einer der doch nichts als Liebe war, wenn der so elend, einsam und öffentlich zur Schau gestellt leiden muss, wenn der so sterben muss wie der letzte Verbrecher, dann ist Gott für mich gestorben.

Es können die Jünger danach nicht mehr so an Gott glauben wie zuvor. In solchen Geschehnissen verwandeln sich Glaube und Religion in der Tiefe.
Ich kann und will da an keinen Gott mehr glauben, der nur in der Höhe thront und unberührt von Tod und Leid bleibt.
Ich kann und will auch an keinen Gott mehr glauben, der diese Welt nicht ernst nimmt, für den sie nur so etwas ist wie eine Prüfung für den Himmel ist. Die Natur das Unwesentliche und Vergängliche und das Eigentliche dann erst nach dem Ableben?
Ich kann und will auch an keinen Gott mehr glauben, der sich vor dem Leiden drückt, wie Allah im Koran oder Gott in einem Hollywoodfilm. Da stirbt Jesus nicht wirklich. Da hängt nur ein Scheinleib am Kreuz: Ein Schauspieler mit viel Theaterblut. Am Ende kriegt er vielleicht noch den Oscar für große schauspielerische Leistung.

Unser einziger Trost im Leben und im Sterben aber ist seit Karfreitag ein Gott, der den Namen Jesus Christus trägt. Ein Gott der wirklich gelitten hat und immer noch leidet. Mit jedem Hingerichteten, mit den Opfer von Krankheit und Unfall. Ein Gott, der leidet an der ganzen Lieblosigkeit, die immer noch unsere Welt und unsere Beziehungen prägt. Ein Gott, der bis in tiefste Tiefe hinabsteigt
Ein Gott, der dich fragt: „Warum schickst du mich in die Hölle? Warum lässt du meine Seele erfrieren? Aber er verurteilt dich nicht. Denn er weiß, was er will: Er will dich.
Er reagiert nicht mit Gewalt oder Allmacht, er richtet die Welt nicht zugrunde, auch wenn sie es verdient hätte, sondern in seinem Tod stiftet er schon das Heilsmittel zu unserer Rettung.

Jesus tötet nicht - das unterscheidet ihn von Mohammed, aber auch von Mose. Er führt keinen Krieg. Lieber lässt er sich töten. So liebt er diese Welt, dass hier keiner sterben soll.
Er raubt den Anderen nicht die Existenz, sondern er stiftet eine neue Möglichkeit zu leben – mitten im Tod.
Sterbend vertraut er sich seinen Jüngern an. Er übergibt ihnen sein Leib, sein Blut, sein Leben. Er schenkt ihnen Glauben.

Und nach drei Tage ist da wirklich Leben im Grab. Neue Möglichkeiten mitten im Tod. Das aber ist der Tod des Todes: wenn ich mein Leben im Sterben getrost einem anderen anvertrauen kann. Wenn ich glauben kann.
Jesus schenkt uns solchen Glauben. Er vertraut uns sein Leben an.
Die Gemeinde der Jünger wird zum Leib Jesus Christi. Keiner kann alles, was er konnte, aber jeder ein Teil davon. Aus vielen Mitgliedern wächst dieser Leib zu einem neuen Dasein, zu ewigem Leben mit einer neuen Geschichte, einer neuen Schöpfung.
Wir bleiben dem Leib Christi verbunden, auch im Tode.
Der Friedhof um die Kirche herum oder auch die Kirche auf dem Friedhof: Sie zeugen von dem Glauben an Gott, der bis in den Tod geht - aus Liebe.
Ja, so er hat er die Welt geliebt, dass er sein Eigenstes hingibt. Er verzichtet auf Allmacht und Unsterblichkeit damit ihm keiner verloren geht, wirklich keiner.

 
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