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Markus 14, 53 - 64

Predigt > Passion

Predigt zu Karfreitag, Markus 14, 53 - 64

Wer war dieser Mann? Warum musste er sterben? War dieser Tod wirklich nötig?
Er war ein Prophet sagen die Moslems, und
Gott hat ihn nicht wirklich leiden lassen. Am Kreuz hing ein anderer, verkündet Sure 4 des Koran.
Er war ein guter Mensch, sagt die Mehrheit der Deutschen, aber nur eine Minderheit glaubt dass er Gottes Sohn war.
Ich glaube an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, bekennen Christen im Apostolischen Glaubensbekenntnis.
Jesus Christus, wie er uns in der Heiligen Schrift bezeugt wird, ist das eine Wort Gottes, das wir zu hören, dem wir im Leben und im Sterben zu vertrauen und zu gehorchen haben. So hat das die Bekenntnissynode von Barmen vor 80 Jahren zu der Irrlehre der Gottgläubigen gesagt, die an Gott und an Adolf Hitler glaubten.
Wer war dieser Mann, dessen Tod wir heute bedenken. Was ist das besondere an ihm
War Jesus Gottes Sohn? War er der Messias, der Christus? Und was bedeutet das dann für uns, wenn wir an ihn glauben?
Erinnern wir uns:
Nach allem was wir über den historischen Menschen Jesus von Nazareth wissen, hat dieser zu seinen Lebzeiten nie beansprucht Sohn Gottes zu sein. Aber er hat Gott vertrauensvoll angesprochen: Abba, zu deutsch eben Papa, oder althochdeutsch: Vater unser.
Ist, wer Gott als Vater anredet auch sein Sohn? Und wenn ja, dann in welchem Sinne?

Nach allem was wir über den Menschen Jesus von Nazareth wissen, hat dieser zu seinen Lebzeiten nie beansprucht er sei der Christus, der Gesalbte, der Nachkomme Davids, der König der Juden, der das Volk von Fremdherrschaft erlöst und ihm Ruhm und Ehre in der Welt verschafft. Aber er hat es zugelassen, dass das Volk ihm in Jerusalem einen königlichen Empfang bereitete und eine Frau ihn vor den Toren Jerusalems salbte. War er der Gesalbte, der Messias, der Christus?

Wer ist der? So fragen sich viele. Johannes der Täufer fragt so. Die Bibel berichtet: „Als aber Johannes im Gefängnis von den Werken Christi hörte, sandte er seine Jüngern und ließ ihn fragen: Bist du es, der da kommen soll, oder sollen wir auf einen anderen warten?"
Johannes hat Jesus getauft wie viele andere. Johannes hat sein Volk vorbereitet auf die Ankunft Gottes.
Er hat ein Gespür: Da liegt etwas in der Luft. Da kommt etwas, aber was kommt da?
Bist du es der da kommen soll, oder sollen wir auf einen anderen warten?  
Dahinter die Frage, Worauf warte ich denn? Auf welchen Führer, auf welchen Märchenprinz, auf welche neue Regierung? Wer erlöst mich aus dem Gefängnis, wer befreit mich von Krankheit, wer tilgt meine Schulden, wer motiviert mich, wer feuert mich an mit Lebensenergie. Und auch die letzte Frage: wer vollendet mein Werk, wer vollendet mein Leben, wenn ich es selbst nicht mehr kann. Für Johannes im Gefängnis ist das eine bedrängende Frage. Wer macht weiter, wenn ich aufhören muss? Erfüllt sich meine Botschaft, oder habe ich mich geirrt?
Bist du es, oder müssen wir auf einen anderen warten?

Jesus sagt nicht: Ich bin das. Aber er antwortete und sprach zu ihnen: Geht hin und sagt Johannes wieder, was ihr gesehen und gehört habt: Blinde sehen und Lahme gehen, Aussätzige werden rein und Taube hören, Tote stehen auf, und den Armen wird das Evangelium gepredigt.
Zieht selber eure Schlüsse daraus. Urteilt selber. So ist das bis heute: Urteilt selbst. Ihr Urteil ist gefragt.
Nun – was sagen die Leute, wer ich bin, fragt Jesus später seine Jünger, und die berichten: Einige sagen, du seist Johannes der Täufer, andere du seist Elia, wieder andere, du seist Jeremia oder einer der Propheten.
Ein Vorläufer von Mohammed, würde heute noch ein beträchtlicher Teil der religiösen Menschheit sagen. Ein Gesandter Gottes.
Er fragte sie: Wer sagt den ihr, dass ich sei?
Was sagt ihr, liebe Jünger Jesu: Wer ist er, wer war er?

„Du bist Christus, des lebendigen Gottes Sohn", bekennt Simon Petrus, und mit ihm auch die Kirche. Jesus bedankt sich für dieses Bekenntnisses, gebietet aber Petrus und den Jünger, das bitte nicht öffentlich zu sagen bevor sie verstanden haben, was das bedeutet.  

„Und seitdem fing Jesus an, seinen Schülern zu zeigen wie er in Jerusalem zum Christus werden sollte, wie er viel leiden müsse und getötet werden." notiert Matthäus.

Petrus nahm ihn beiseite und fuhr ihn an: Gott bewahre dich davor. Das soll nicht geschehen.
Jesus aber fuhr Petrus an: Geh weg von mir, Satan. Du meinst nicht was göttlich ist sondern was menschlich ist.

Es ist gut gemeint, was Petrus da vor hat: Jesus als weltlicher Herrscher, der Jerusalem im Handstreich erobert und sein Königreich aufrichtet.
Das ist das Modell, das 550 Jahre später Mohammed realisieren wird. Der Gesandte Gottes wird gleichzeitig zum weltlichen Herrscher, der nicht nur, aber auch mit dem Schwert sein Reich errichtet. Du bist der Elia, sagen schon zu Jesu Zeiten einige, und meinen damit, du wirst nicht sterben, du kannst nicht sterben. Du wirst rechtzeitig in den Himmel entrückt. Die Seele wird bei Gott im Paradies sein. Der Gesandte Gottes stirbt nicht wirklich.

Wer ist der? So fragen sich auch die Hohenpriester in Jerusalem. Sie müssen so fragen, denn sie sind verantwortlich für die Sicherheit auf dem Passahfest. Aufruhr, Terroranschläge, das gab es auch damals schon.
Der Einzug Jesu in Jerusalem, kleiner Rempeleien im Tempel – all das deutete auf eine Gefahr hin. Da lag was in der Luft – aber was? War ein Anschlag auf den Tempel geplant? Für den Hohen Rat war es ein Glücksfall, als einer der engsten Vertrauten Jesu den Aufenthaltsort dieses Anführers verriet und ihn auch zweifelsfrei identifizierte, so dass man ihn ohne Blutvergießen mit einer kleinen Polizeitruppe verhaften konnte.
Aber auch im Hohen Rat ergab die Zeugenvernehmung kein klares Bild über die Absichten dieses Jesus und seiner Schüler.
Und Jesus schwieg. Da fragte ihn der Hohepriester abermals: Bist du der Christus, der Sohn des Hochgelobten.
Jesus aber sprach: Ich bin’s.
Gotteslästerung, sagen die Religiösen, weil er zu Gott „Vater" sagt. „Aufstand gegen den Kaiser", sagt Pontius Pilatus, weil er sich zum König der Juden habe machen lassen.
„Ich bin’s". Das ist sein Todesurteil. Gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben, begraben und zur Hölle gefahren.

Christus der Sohn des Hochgeloben, war er das?

Für die Jünger Jesu entscheidet sich am Kreuz, ob sie überhaupt noch an Gott glauben können.
Hat Jesus sich geirrt? War das eine Illusion als er Gott mit „Vater" anrede, mit „Abba".
Kann man den Vater nennen, der seine Kinder so verbluten lässt?
Hat Gott Lust am Leiden. Braucht der soviel Blut, um mit sich ins Reine zu kommen. Muss er gar mit so einem grausamen Menschenopfer besänftigt werden. War das wirklich Gottes Wille was da geschah?

Frage über Fragen. Fragen, die sich die Jünger damals stellen. Fragen, die Gläubige und Ungläubige ja auch noch heute stellen.
Eine Antwort, die Jesu Jünger finden: Die ganze Geschichte ergibt dann einen Sinn, wenn Jesus nicht der einzige Sohn Gottes war. Einzigartig vielleicht, der eingeborene vielleicht, der erste, aber eben nicht der einzige. Dieser grausame Tod ergibt dann einen Sinn, wenn in dieser teuflischen Situation Leben gegen Leben stand. Wenn der Tod des einen Sohn Gottes in dieser grausamen Geschichte das Leben vieler anderer Kinder Gottes rettet.
Seine Jünger entdecken das zunächst in der konkreten Geschichte mit ihm: Wir gingen alle in die Irre. Wir wären bereit gewesen, für ihn zu sterben und wir wären bereit gewesen für ihn zu töten. Wir hatten Waffen dabei in jener Nacht. Ohne sein Opfer hätte es viele Opfer gegeben. Viele Tote - das wollte er nicht, das will Gott nicht. Er will, dass seine Kinder leben.
Und Kinder Gottes, das sind alle Menschen. Wenn es einen Unterschied gibt, dann doch nur den, dass die einen das wissen, und die anderen noch nicht. Dass die einen angefangen haben als Kinder Gottes zu leben und die anderen noch nicht. Das ist aber kein letzter Unterschied. Denn diese Erkenntnis, jeder Mensch ist ein Kind Gottes, das kann man weitergeben, so dass es jeder wissen kann. Das ist unsere Mission als Christen.

Hätte Gott nicht eingreifen können, damals an Karfreitag. Hätte er den Tod Jesu nicht verhindern können in seiner Allmacht?
Ja er hätte wohl, aber nur um den Preis, dass er Menschen seinen Willen aufzwingt. Dass er sie zu Sklaven macht. Es geht aber in der Geschichte Jesu um das Gegenteil. Er befreit von Sklaverei. Er macht Menschen zu Herren ihres Lebens.
Und so ist auch sein Weg zum Kreuz noch seine freie Entscheidung. Eine bittere  und schwere, aber auch voller Hoffnung für uns.

Er ist gestorben, wegen unserer Sünde, weil wir manchmal solche Idioten sind. Aber wir können ja dazu lernen.
Die Botschaft seines Todes heißt, dann: ein solcher Tod muss nicht mehr sein. Hört endlich auf, mit dem Ungeist von Hass und Rache – es reicht wenn einer deswegen sterben musste.
Hört auf mit dem Gemetzel unsinniger Kriege: Es ist genug unschuldiges Blut geflossen. Hört auf mit dummem Geschwätz, es ist schon genug Freundschaft verraten und Liebe verleugnet worden. Hört auf mit Geldgier und Machtbesessenheit. Es reicht, dass ein Unschuldiger für euren Größenwahn büssen musste.
Hört auf damit, und fangt endlich an als freie Menschen, als Söhne und Töchter Gottes, als Brüder und Schwestern Jesu Christi auf dieser Welt zu leben.

Amen



 
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