Gerlinde Fischer - buchen-kirche.eu

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Abschied von Gerlinde Fischer  am 26. April 2012

 in der  Kirche von Wachenbuchen

 

Lied EG  65,

 

Von guten Mächten treu und still umgeben,

behütet und getröstet wunderbar,

so will ich diese Tage mit euch leben

und mit euch gehen in ein neues Jahr.

 

Noch will das alte unsre Herzen quälen,

noch drückt uns böser Tage schwere Last.

Ach Herr, gib unsern aufgeschreckten Seelen

das Heil, für das du uns geschaffen hast.

 

Und reichst du uns den schweren Kelch, den bittern

des Leids, gefüllt bis an den höchsten Rand,

so nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern

aus deiner guten und geliebten Hand.

 

Doch willst du uns noch einmal Freude schenken

an dieser Welt und ihrer Sonne Glanz,

dann wolln wir des Vergangenen gedenken,

und dann gehört dir unser Leben ganz.

 

Lass warm und hell die Kerzen heute flammen,

die du in unsre Dunkelheit gebracht,

führ, wenn es sein kann, wieder uns zusammen.

Wir wissen es, dein Licht scheint in der Nacht.

 

Wenn sich die Stille nun tief um uns breitet,

so lass uns hören jenen vollen Klang

der Welt, die unsichtbar sich um uns weitet,

all deiner Kinder hohen Lobgesang.

 

Von guten Mächten wunderbar geborgen,

erwarten wir getrost, was kommen mag.

Gott ist bei uns am Abend und am Morgen

und ganz gewiss an jedem neuen Tag.

 

Text: Dietrich Bonhoeffer (1944) 1945/1951

 

 

 

Gerlinde Fischer geborene Schneider kam am 21. Januar 1950 in Marköbel zur Welt und wuchs dort auf den Hirzbacher Höfen zusammen mit ihrem Bruder auf.

Sie erlernte den Beruf der Einzelhandelskauffrau. Die letzten 25 Jahre war sie in der Firma ihres Schwagers im Elektrogeschäft Köhler in Hüttengesäß  tätig.

1970 heiratete sie ihren Mann Erich Fischer und zog nach Wachenbuchen in das neu erbaute Haus in der Burgstraße.

Zwei Kindern, Andreas und Katja, schenkte sie das Leben.Ihre 5 Enkel waren ihr eine besondere Freude. Im Juli 2011 wurde dann die tödliche Krebserkrankung festgestellt, an der sie nun am vergangenen Sonntag zu Hause nach einer letzten Leideszeit verstarb.

 

Ihr Abschiedswort hat sie auf das Büchlein der Herrnhuter Losungen geschrieben, der Bibelworte, die ihr täglicher Begleiter waren:

Psalm, 118, 17: Ich werde nicht sterben, sondern leben und des Herrn Werke verkündigen.

Als Fortsetzung lese ich uns noch die Losung des heutigen Tages als ihr Wort für euch heute.

Psalm 31,25: Seid getrost und unverzagt alle, die ihr des Herrn harret.

Und aus dem 1. Brief an Timotheus: Jage nach der Gerechtigkeit, der Frömmigkeit, dem Glauben, der Liebe, der Geduld, der Sanftmut.

 

Liebe Trauernde, liebe Fam. Fischer,

 

schwer ist diese Stunde, in der wir von Gerlinde Fischer Abschied nehmen müssen. Bitter sind die Trauer und die Klage angesichts dieses Sterbens vor der Zeit. Es tut weh. Auch wenn wir mit dem Schmerz sehr unterschiedlich umgehen, eines ist uns gemeinsam: Es tut weh. Wir tun gut daran, dieses auszusprechen und uns einzugestehen, wie hilflos wir in unserer Betroffenheit sind. Wenn uns die Worte der Bibel zu einer erlösenden Wahrheit werden sollen, dann auch so, dass sie uns Mut machen auszusprechen, wie bitter es ist am Ende zu sein. Lebendige persönliche Beziehungen brechen ab. Die Tochter stirbt vor der Mutter. Die Ehefrau an der Seite, Ergänzung und Korrektiv - sie fehlt. An die Stelle der Worte, von denen die Liebe zwischen einer Mutter und Sohn und Tochter lebt  tritt das Schweigen des Todes. Wo können die Enkel nun hingehen? Wer spielt mir ihnen Minigolf? Wer geht mit ihnen shoppen? Wer kocht nun so, dass das Leben wieder schmeckt? Wer ist da, wo sie sonst war? Wer sagt euch jetzt in ihren Worten: Sei getrost und  unverzagt? Wer nimmt euch an der Hand, nimmt euch in den Arm und alles ist wieder gut?

 

 

. Auf die Herrnhuter Losungen, die ihr Begleiter waren, hat sie die Worte des Osterpsalms geschrieben. „Ich werde nicht sterben, sondern leben und des Herrn Werke verkündigen.“ Wie verträgt sich das damit, dass sie nun gestorben ist? Zu früh, zu jung, und auch mit dem Gedanken. „es ist so ungerecht“. Sie, die auch bei allem Schweren immer noch fröhlich war,  voller Hoffnung, dem Leben zugewandt und von einer tiefen Frömmigkeit geprägt.

Ihr, liebe Angehörige, habt mitgetragen, mitgelitten in jenen Monate, seit die Nachricht euch erreichte, dass Gerlinde Fischer so schwer krank ist. Ihr habt einander zu geben versucht, was in der Kürze der Zeit noch blieb. Ihr ward am Ende da, als nur das einfache Dasein blieb, dasein bis zum Ende.

 

Auf Heilung der  Krankheit war keine Hoffnung. Linderung der Qualen war am Ende das Ziel, um ein paar Stunden, ein paar Tage noch zu haben durch gute palliative Betreuung. Sie wusste, dass ihr Leben zu Ende geht.  Sie wollte keine weiteren Operationen mehr.  Sie wolle noch Abschied nehmen von all den vielen, die sie liebte. Es waren letzte Worte, die euch nun bleiben und letzte Gesten. Sie kam in der Karwoche nach Hause zum Abschiednehmen. Sie starb am vergangen Sonntagmorgen, zwei Stunden vor Beginn des Gottesdienstes. Wir haben sie in das Fürbittengebet mit aufgenommen. Jemand hat eine Kerze für sie entzünden. Wir haben ihr bei der Aussegnung den letzten Segen mitgeben für ihren Weg  in die himmlische Heimat. 

 

„Singt keine traurigen Lieder“, hat sie gewünscht, fast so wie das Jesus in seinem Abschiedswort an die Seinen sagt: „Ja ihr habt  nun Traurigkeit, aber seid getrost ich will euch wiedersehen und ihr sollt  euch freuen und eure Freude soll niemand von euch nehmen.“  Ein Trost für die, denen so bangen ist. Die nicht wissen wie es weitergeht.

Sie konnte trösten mit einfachen Worten, wie eine gute Mutter ihre Kinder tröstet, wie die Oma, die am meisten Spaß hat wenn ihre Enkel fröhlich sind. Dazu hat sie manches Kind, das sie als Tagesmutter betreute, zum Lachen gebracht, die Tränen weggewischt.

So also können wir sie wohl in den Worten der heutigen Losung noch einmal hören: „Seid getrost und unverzagt.

Jage nach der Gerechtigkeit, der Frömmigkeit, dem Glauben, der Liebe, der Geduld, der Sanftmut.“

Es sind zuerst Worte an ihre leibliche Familie, und zugleich ist darin auch noch mehr. Sie wusste wohl von Anfang an: Wer in die Familie Fischer heiratet, der heiratet auch das Blasorchester.  Da ist die Musik, die eine noch sehr viel größere Familie verbindet. Sie musste dafür nicht unbedingt selber ein Instrument spielen. Das machten ja schon andere. Aber man musste wohl die entsprechende Freude daran haben und die Musik  einfach gerne hören. So war sie eine Liebhaberin der Blasorchester Konzerte.

 

„Seid getrost und unverzagt!“ -  auch wenn  noch nicht alles zusammenklingt, mancher falsche Ton dabei ist und es häufig  auch so viel an Mühe und Arbeit kostet. Da war zudem im Hintergrund zu trösten, Mut zu schenken, an das Gelingen zu glauben, auch wenn es mal nicht so aussah. Da war zur Geduld zu  mahnen, bisweilen auch mit Sanftmut manches kernige und kräftige Wort auszugleichen und ihm den richtigen Sinn zu geben. „Jagen nach der Gerechtigkeit“ - sie hätte es wohl am liebsten allen recht gemacht. Sie litt bisweilen darunter, dass dieses auf Erden nicht gelingt, dass wir dieser Gerechtigkeit immer nur nachjagen können, sie aber letztlich allein Gottes Werk bleibt. Ist das gerecht, was sie da erleiden musste? Welchen Sinn soll das haben? Bleiben am Ende nur Fragen und dunkle Rätsel?

Sie selbst hat ihre Antwort gegeben mit dem Osterpsalm:

Psalm 118, 17: Ich werde nicht sterben, sondern leben und des HERRN  Werke verkündigen.

Die Worte des Auferstehungspsalms verschweigen nicht, dass davor Karfreitag liegt. Dass da einer  qualvoll stirbt, viel zu jung, viel zu früh mit der letzten Frage auf den Lippen: Mein Gott, warum? Warum hast du mich verlassen? Drei Tage lang  ist es nur die Hölle. Warum muss ein Mensch voller Güte so leiden? Die Frage schreit zum Himmel. Mein Gott, mein Gott, warum? Warum hast du mich verlassen?

Wir können da heute mit einstimmen. Wir können zusammen den Schmerz der Seele zu Gott schreien, mit all unseren Fragen, unserer Trauer, unserer Ratlosigkeit, damit uns dann auch der Osterpsalm zu einer tröstlichen Wahrheit wird. „Ich werde nicht sterben, sondern leben.“

Wir können dann wie die Jünger Jesu entdecken:  Der Schrei zum Himmel findet eine Antwort. Gott bleibt nicht stumm. Er lässt sich bewegen, und er ist da. Er ist da, mitten im Tod. Er hängt mit am Kreuz. Er leidet mit, bis in die tiefste Tiefe hinein. Auch wenn sonst nichts bleibt,  die Liebe bleibt. Füreinander sterben  und mehr noch füreinander leben. So kann einer nun auch das Leben des anderen mit leben.

Erlösung, das heißt jetzt also: doppelt leben! Nun also auch für sie, für Gerlinde Fischer,  die Werke des Herrn verkündigen, so wie es ihr Abschiedswort sagt. Seid getrost und unverzagt.

Freut euch wieder und es wird Freude im Himmel sein. Findet neues Lebensglück auf dieser Erde und auch Gerlinde Fischer wird bei Gott glücklich sein. Macht wieder Musik, singt wieder frohe Lieder.   Spielt weiter hier auf Erden. Wie Kinder fromm  und fröhlich. Singen wir es mit einander. Lied  482, 5+6:

 

5. Gott, laß uns dein Heil schauen,

Auf nichts Vergänglichs trauen,

Nicht Eitelkeit uns freun!

Laß uns einfältig werden

Und vor dir hier auf Erden

Wie Kinder fromm und fröhlich sein!

 

6. Wollst endlich sonder Grämen

Aus dieser Welt uns nehmen

Durch einen sanften Tod!

Und, wenn du uns genommen,

Laß uns in Himmel kommen,

Du unser Herr und unser Gott!

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