Dorothea Neumann - buchen-kirche.eu

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Gottesdienst zur Beerdigung von Dorothea Neumann am Freitag, dem 22. August, in der evangelischen Kirche von Wachenbuchen

 

Liebe Trauernde,

wir müssen Abschied nehmen von Dorothea Neumann,  der Ehefrau, der Mutter und Oma, der Nachbarin und Freundin, der Patin und Wahloma. Über viele Jahre haben wir mit ihr zusammengearbeitet im Verein, in der Kirche, in der Stadt.  Wir haben sie als Mensch schätzen und lieben gelernt. Nun hat eine schwere Krankheit sie vorzeitig von uns genommen. Sie fehlt. Der Tod schmerzt.

Stärker noch aber als Leid und Tod ist die Hoffnung. Eine Hoffnung, die sie in ihrem Leben bei anderen geweckt hat und die sie heute auch in einem sehr sichtbaren Sinne weiter tragen wird. Was sie uns hinterlässt ist der Glaube an die Welt, „die unsichtbar sich um uns weitet“.  Von den vielen Engeln des Himmels wird heute auch ein Stück sichtbar. Und es bleibt die Liebe, die uns an diesem letzten Übergang verbindet.

Sie starb nun an einem modernen Jahreswechsel, dem Übergang von  einem Schuljahr zum anderen,  dem Ende der großen Ferien, der Einschulung. Noch einmal mit den eigenen Augen hinüberblicken in das Neue – der Schulanfang ihres Enkels Niklas - da hat sie ihre letzte Kraft hinein gegeben. Mit einem Bild von diesem Tag steht sie noch vor uns.

Zum Kerbgottesdienst wollte sie noch kommen, noch ein letztes Mal den Chor hören, in dem sie selbst viele Jahre mitgesungen hat, doch die Kraft reichte nicht mehr.

Das letzte Lied des Gesangvereins "Vorwärts" auf der Kirchweih nach dem Evangelium - lasst uns das jetzt noch einmal hier im vereinten Chor dieser Kirche für sie singen.

 

Lied 58, 1 -5

Nun lasst uns gen und treten  mit Singen und  mit Beten zum Herrn der unserem Leben bis hierher Kraft gegeben.  …

Denn wie von treuen Müttern in schweren Ungewittern, die Kindlein hier auf Erden mit Fleiß bewahret werden,

also auch und nicht minder, lässt Gott uns seine Kinder, wenn Not und Trübsal blitzen in seinem Schoße sitzen.

 

Ja – unsere Hilfe kommt von dem Herrn, der Himmel und Erde geschaffen hat

Ja – ich will euch tragen bis ins Alter hin – so spricht Gott uns Worte der Hoffnung zu. Wir hören ihn, wir hören die Stimme der Verstorbenen in Worten des Psalms 71.

 

HERR, ich vertraue auf dich,

2 Errette mich durch deine Gerechtigkeit und hilf mir heraus, neige deine Ohren zu mir und hilf mir!

3 Sei mir ein starker Hort, zu dem ich immer fliehen kann, der du zugesagt hast, mir zu helfen; denn du bist mein Fels und meine Burg.

6 Auf dich habe ich mich verlassen vom Mutterleib an; du hast mich aus meiner Mutter Leibe gezogen. Dich rühme ich immerdar.

7 Ich bin für viele wie ein Zeichen; aber du bist meine starke Zuversicht.

9 Verwirf mich nicht in meinem Alter, verlaß mich nicht, wenn ich schwach werde.

10 Denn meine Feinde reden über mich

11 und sprechen: Gott hat sie verlassen. Es gibt keine Rettung für sie.

12 Gott, sei nicht ferne von mir; mein Gott, eile, mir zu helfen!

17 Gott, du hast mich von Jugend auf gelehrt, und noch jetzt verkündige ich deine Wunder.

18 Auch in der tödlichen Krankheit, Gott, verlaß mich nicht, und wenn meine Haare grau werden, verlaß mich nicht bis ich deine Macht verkündige Kindeskindern und deine Kraft allen, die noch kommen sollen.

20 Du lässest mich erfahren viele und große Angst

und machst mich wieder lebendig und holst mich wieder herauf aus den Tiefen der Erde.

21 Du machst mich sehr groß und tröstest mich wieder.

 

Trost und Hoffnung sprechen uns die letzten Worte der Bibel zu - aus der Offenbarung des Johannes 21, vom Ende der Zeit:

 

1. Ich sah  einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn  der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, und das Meer ist nicht mehr.

2 Und ich sah die heilige Stadt,  das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen, bereitet  wie eine geschmückte Braut für ihren Mann.

3 Und ich hörte eine große Stimme von dem Thron her, die sprach: Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und  er wird bei ihnen wohnen, und  sie werden sein Volk sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein;

4 und  Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein,  noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.

5 Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu! Und er spricht: Schreibe, denn diese Worte sind wahrhaftig und gewiß!

 

In goldner Sonne saß sie am Samstag noch ein letztes Mal im Kreis ihrer Familie im Garten. Die Kirchenglocken, die von ferne herüber klangen, luden zu einer Hochzeit ein. Noch im hochzeitlichen Schmuck war die Kirche dann auch am nächsten Morgen als wir hier das 20jährige Jubiläum der von ihr mitbegründeten Gymnastikgruppe feiern  wollten.  Da mitten hinein erreichte uns die Nachricht von ihrem Tod. Mit Trauer und mit Tränen in den Augen - so haben wir an diesen Morgen schon ihrer gedacht. Und dann das Lied einfach weiter gesungen: „Die güldene Sonne voll Freud und Wonne, bringt unseren Grenzen mit ihrem glänzen ein herzerquickendes liebliches Licht.“ Ein herzerquickendes liebliches Licht, in den Grenzen unserer Zeit – das war sie wohl.

Der Tod mag manches abrechen, das Lied ihres Lebens geht weiter. EG 449, 7+8

 

Wir blicken zurück auf den Lebenslauf von Dorothea Neumann:

Dorothea Neumann geborene Kaiser kam am 11. Juli 1945 in Göttingen zur Welt. Drei Geschwister hatte sie. Bereits früh verlor sie ihre Mutter. Sie erlernte den Beruf der Anwaltsgehilfin. Am 10. Dezember 1965 heiratete sie Ihren Mann Arnold. Über die Zwischenstation Frankfurt führte ihr Weg dann 1975 nach Wachenbuchen, wo sie mit ihrer Familie das neue Haus in der Ronneburgstr. 43 bezog. Hier war sie dann fast von Anfang an in  der Kirchengemeinde aktiv und wurde 1977 in den Kirchenvorstand gewählt. Sie gehörte dem Kirchenvorstand bis 1995 an. Von 1986 bis2005 war sie als  Gemeindesekretärin in unserer Kirchengemeinde tätig.

In zahlreichen Gruppen und Kreisen wirkte sie ehrenamtlich mit. Für Stadt und Dorf war sie als Leiterin der Bücherei tätig.

Als sie vor 3 Jahren in den Ruhestand trat, da wollte sie noch einmal Zeit haben für ihre Enkelkinder. Vor 2 Jahren wurde dann die Krebserkrankung diagnostiziert, an der sie am vergangenen Samstag, dem 16. August verstarb. Sie hinterlässt 3 Kinder und 3 Enkelkinder.

 

Bibelworte zum Abschied sind die Losung, der Lehrtext und der Wochenspruch des vergangenen Sonntags:

Ps. 40,4: Der Herr hat mir ein neues Lied in meinen Mund gegeben, zu loben unseren Gott.

2. Kor. 5,17

Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur, das Alte ist vergangen, siehe Neues ist geworden.

Mt. 25,40

Christus spricht: Was ihr getan habt, einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.

 

Liebe Trauernde,

ein neues Lied, eine neue Kreatur -  während wir noch mit Abschied beschäftigt sind, während wir zurückdenken an vergangene Lebenszeit,  während wir trauern weil sie fehlt, während all das geschieht klingt schon ein neues Lied in unsere Trauer hinein, und wir ahnen etwas von der neuen Kreatur, die die Verstorbene nun ist.

Das Alte ist vergangen – das ist heute zunächst ein Wort großer Trauer. Gerade der Rückblick auf ihr Leben, an „das Alte“,  erinnert uns daran, wie kostbar unsere Lebenszeit auf Erden ist. Ihr irdischer Leib ist vergangen. So sichtbar wie sie unter uns war, ist sie nicht mehr da.

Sie war dabei gerne in diesem Leib. Zu guter Gemeinschaft gehörte für sie in größter Selbstverständlichkeit auch ein gutes Essen, Geschmack am Leben.

So war sie da: zuerst für euch, liebe Familie Neumann, und dann auch für viele andere, mit denen sie zuhause oder im Gemeindehaus zu Tisch saß. Leib und Seele speisen war ihre erste Aufgabe.  An Leib und Seele heil bleiben, das war das Zweite: Kegeln und Singen, Gymnastik und Bücher, und bei beiden - die Gemeinschaft mit vielen anderen Menschen.

Selbst in all seiner Gebrechlichkeit war es ihr dieser irdische Leib noch wert, damit unter die Menschen zu gehen. Eine Woche vor ihrem Tod hat sie sich bei einer Feier noch von Kirchenvorstand und Kirchenchor verabschiedet. So war sie da: im Rollstuhl und hinfällig geworden. Gewiss, immer noch wollend. „Ich will morgen früh noch zum Kerbgottesdienst kommen, wenn die Kraft reicht“.  Und dann ging es doch nicht mehr. Das letzte Wort, das ich mit ihr gesprochen habe war: „es geht nicht mehr – ich muss nach Hause“. Im Rückblick erst erschließt sich die doppelte Bedeutung. Nach Hause – sie ist heimgegangen. Sie wurde heimgerufen.

Viel zu früh - sagen wir das ruhig. Zu früh -  der Tod kam als Feind. Und doch auch wieder so tröstlich: Da war noch dieser Nachmittag im Garten, im Kreis der Familie, und dann ein recht schnelles Ende bevor eine noch längere Leidenszeit gekommen wäre.

 

Was bleibt nun noch?

Uns bleibt der Rückblick auf ein Leben mit vielen Facetten. Da ist zunächst die Mutter. „Denn wie von treuen Müttern in schweren Ungewitter …“ Nachdem ihre eigene Mutter sehr früh verstarb, hat sie die Rolle übernommen für ihren jüngsten Bruder und bald auch schon für ihre eigenen Kinder. In manchem Ungewitter war sie da. Für ihre drei Kinder aber auch für manch anderes Kind. Ob Patin oder Oma - sie war da in großer Treue. Sie sammelte nicht nur – so war das mein Eindruck – Brillen für die dritte Welt, Altkleider für Hephata, Kaffee für die Partnergemeinde in der DDR, Kinderwagen für die Asylanten, Briefmarken für Bethel, Puppen und Ostereier für ihre private Sammlung zu Hause;  sie sammelte vor allem - Kinder. Es war ihr eine Freude, diese groß werden zu sehen. Da waren Familienfreizeiten und Kreise, die sie mit ins Leben rief. Da war die Bücherei, mit der entsprechenden Beratung.  Selbstverständlich gehörte der Kasten mit Malstiften zur Grundausstattung des Gemeindebüros.  Für den Fall, dass da mal ein Kind kam und eine Weile bei ihr blieb.

Sie war nicht nur Anwaltsgehilfin von Beruf, sie war ein Anwalt der „geringsten Brüder und Schwestern“. Manchmal, wenn sie eine halbe Stunde später ins Büro kam, dann nicht weil sie zu spät zu Hause losgelaufen wäre, sondern weil auf ihrem Weg noch das halbe Dorf lag. Da wurde Seelsorge oder Gemeindeorganisation  einfach  auf dem Weg erledigt, wenn man diesen oder jenen traf.  Sie nahm sich dafür die Zeit, die nötig war.  

Das letzte des Urteil des Weltenrichters über unserem Leben ist der Wochenspruch dieser Woche: Was ihr getan habt, einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.

Ihr, die ihr heute hier seid, bezeugt mit eurer Anwesenheit, wie sie das gelebt hat. Viele andere, die heute nicht hier sein können, haben das am eigenen Leib erfahren, was es für einen Unterschied  macht, ob jemand da ist oder nicht: Jemand, der die Hungernden speist, die Nackten kleidet, die hintern eisernen Vorhang Gefangenen besucht, den Fremdlingen das Formular ausfüllt für Aufenthalts- und Arbeiterlaubnis, den Opfern von Gewalt in ihrer Not weiterhilft.

„Tue Gutes“, ja –das war wohl ein Lebensmotto,  aber nicht die landläufige Fortsetzung – „und rede darüber“. Es ging ihr nicht darum viel darüber zu reden oder  im Mittelpunkt zu stehen. Erst heute, am Ende ihres Lebens, ist sie hier ganz im Mittelpunkt der Kirche angelangt und wir sind hier um sie versammelt, um ihr noch einmal zu danken: für ihr Leben, für ihr Dasein, für den Geist, der durch sie wirkte. Danke!

Warum geht sie jetzt schon, warum diese Krankheit, warum dieser frühe Tod?

Vieles bleibt „wie durch einen Spiegel ein dunkles Rätselbild“, und doch hat sie mit ihrem Leben uns schon eine Antwort gegeben.

Wir Christen sind Protestleute gegen den Tod! Das Evangelium dieser Woche erzählt dazu die Geschichte vom barmherzigen Samariter. Da liegt einer halbtot im Straßengraben und die Antwort auf die Frage Warum? das ist doch seinen Ruf zu hören: „Geh nicht vorbei. Rette mein Leben.“ Der Samariter geht hin.  Er wird zum Notarzt. Er wird zum  Stifter für die Kosten des Pflegedienstes. In seiner Nachfolge machen andere das zu ihrem Beruf als Arzt oder Ärztin. Sie werden den Obdachlosen zum Lichtblick, den Opfer von Gewalt eine Hilfe, den Räubern zur Polizei.  Oder sie beteiligen sich mit einer guten Spende für das Hospital. Den Leib retten und auch die Seele, die noch verwundbarer ist, noch verletzlicher ist als der Leib, dazu braucht es das: Krankenschwestern, Therapeuten, Seelsorger. Aber auch das gehört dazu: für sichere Straßen zu sorgen. Anwalt der Opfer sein. Und vieles,  welches man nicht sofort sieht, was aber im Hintergrund  für die Organisation der Samariterdienste nötig ist:  eine gute Gemeindesekretärin etwa.

Wir Christen sind Protestleute gegen den Tod -  jeder mit seinen Gaben. Der Impuls des viel zu früh am Kreuz so elend gestorbenen Mannes wirkt, solange ein Kreuz auf dem Altar der Kirche steht. Jeder kann  mit dem, was er tut, in Amt oder Ehrenamt, ein Teil der Antwort auf seine letzte Frage sein: Warum, mein Gott warum …? Er kann ein Teil einer neuen Kreatur sein, Teil einer neuen Menschheit.

Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur, das Alte ist vergangen, siehe Neues ist geworden.

Es tut weh, heute von ihr Abschied zu nehmen. Das Alte ist vergangen. Aber es wird jetzt auch etwas Neues: Ein neues Lied klingt ja schon hinein in unsere Trauer: Wir können es hören: Es singt vom Leben. Ihr Lied vom Himmel herab, ihr Segen an euch, an uns, die Hinterbliebenen: Geh deinem Beruf nach als Christ. Finde deine Erfüllung darin in Glück und Unglück; heirate, werde Kindern eine Mutter oder auch ein Vater, Oma oder Opa; und sing im Chor ein neues Lied, „zu loben unseren Gott“.

 

Lied 449, Vers 10-12

 

Spuren im Sand

Eines Nachts hatte ich einen Traum:
Ich ging am Meer entlang mit meinem Herrn.
Vor dem dunklen Nachthimmel erstrahlten,
Streiflichtern gleich, Bilder aus meinem Leben.
Und jedesmal sah ich zwei Fußspuren im Sand,
meine eigene und die meines Herrn.
Als das letzte Bild an meinen Augen vorübergezogen
war, blickte ich zurück. Ich erschrak, als ich entdeckte,
daß an vielen Stellen meines Lebensweges nur eine Spur
zu sehen war. Und das waren gerade die schwersten
Zeiten meines Lebens.

Besorgt fragte ich den Herrn:
"Herr, als ich anfing, dir nachzufolgen, da hast du
mir versprochen, auf allen Wegen bei mir zu sein.
Aber jetzt entdecke ich, daß in den schwersten Zeiten
meines Lebens nur eine Spur im Sand zu sehen ist.
Warum hast du mich allein gelassen, als ich dich am
meisten brauchte?"

Da antwortete er:
"Mein liebes Kind, ich liebe dich und werde dich nie
allein lassen, erst recht nicht in Nöten und Schwierigkeiten.
Dort wo du nur eine Spur gesehen hast,
da habe ich dich getragen."

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