Dietmar Kustermann - buchen-kirche.eu

Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü:


Abschied von Dietmar Kustermann am 5. Dezember 2013

Lieder EG 396, 1-3, Jesu meine Freude,;  EG  147, 1-3 Wachet auf ruft uns die Stimme. 

Dietmar Kustermann wurde am 25.9.1929 in Schwäbisch-Gemünd geboren und wuchs dort zusammen mit 2 Brüdern auf.
Im Krieg ausgebombt verbrachte er als Kind und Jugendlicher einige Zeit bei Cousinen und Onkel. Besonders zu erwähnen ist dabei seine Tante Irene, die in ihm die Liebe zum Chorgesang weckte.
Nach seiner Berufsausbildung zum Chemotechniker arbeitete er bei der Degussa.  3,5 Jahre in Thailand wurden für ihn prägend. Manche Freundschaft aus der Zeit in Bangkok ist ich erhalten geblieben.
Seine Frau Gerda lernte er – wie könnte es anders sein – im Chor kennen. Gemeinsam waren sie in Frankfurt-Sachsenhausen in der Dreiköngsgemeinde  aktiv. Am 30. April 1960 haben sie geheiratet.
Er selbst machte dann noch die Ausbildung zum Lehrer mit den Fächern Chemie und Sozialkunde und war lange Jahre an der Weidenborn Realschule in Bornheim tätig. Tochter Angelika war geboren worden und wuchs heran. Anfang der 70er Jahre zog er mit seiner Familie nach Wachenbuchen in den Feldbergring. Hier verwurzelte er sich sehr schnell auch über Chorgesang im Gesangverein Vorwärts.  Später war er für über ein Jahrzehnt dessen Vorsitzender.
Neben der Musik ist sein soziales Engagement besonders zu erwähnen. Personalrat an der Schule, GEW, Nicaragua Initiative, Amnesty International, Franziskushaus, Naturschutzbund - die Liste seines Engagement ist lang und längst nicht vollständig.
Nach seinem 84. Geburtstag am 25. September brach er zusammen, kam ins Krankenhaus und dann ins Altenwohnheim in Oberursel in die Nähe seiner Tochter.
Eine Lungenentzündung verschlimmerte sich, seine Kraft nahm ab. Eine weitere künstliche Lebenserhaltung wollte er nicht. So ist er  am Samstag, dem 23. November in der Frühe ruhig eingeschlafen.
Er hinterlässt neben seiner Frau Gerda, seine Tochter Angelika und seine Enkelin Katja.

Das Abschiedswort  von ihm ist die Losung des heutigen Tages aus  Ps. 66,20.  Das ist - wie könnte es anders sein -  ein altes  Lied, ein Psalm. Es beginnt: „Jauchzet Gott alle Lande, lobsinget zur Ehre seines Namens“. Und es endet mit
„gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet.“

Liebe Trauernde,
ja wir trauern heute um Dietmar Kustermann. Er fehlt. Seine Stimme, seine Worte, all das, was uns noch so vertraut ist. Es will noch nicht so recht in den Sinn, dass es hier auf Erden so nicht mehr erklingt. Unsere ersten Gedanken und Worte sind dabei jetzt bei euch, liebe Gerda, liebe Angelika, liebe Familien Kustermann und Holnagel. Er war ja auch der Mittelpunkt eurer Familie. Und doch stimmen wir in all dem Schmerz des Abschieds vor allem ein „gelobt sei Gott“ an. Wir sind dankbar für ein reiches Leben. Das Leben von Dietmar Kustermann ist zu Ende,  aber nicht der Gesang, der dieses Leben ausmachte. Nach all dem Wachen in der Nacht, bei ihm stehen bis zum letzten Augenblick, da war es nach dem Gang aus dem Krankenhaus in der Frühe des Tages ein Vogel, der sein Lied anstimmte als sei es ein Zeichen vom Himmel: Der Gesang dieses Lebens geht weiter. Es war das,  was der Chor am Tage danach hier gesungen hat:  „Und meine Seele spannte
weit ihre Flügel aus, flog durch die stillen Lande als flöge sie nach Haus.“
Am Totensonntag haben wir im Gottesdienst und in Anwesenheit des Chores die Nachricht verkündet, dass Dietmar Kustermann verstorben ist. Heute singen Gesangverein Vorwärts, Dörnigheimer Kantorei und der Chor „die Kirchenmäuse“ noch einmal zu seiner Ehre.
Im Singegottesdienst am 2. Advent werden wir  hier, so wie es üblich ist, im Fürbittengebt noch einmal seinen Namen nennen. Auch der Abschied von ihm ist ein Chorgesang.
„Jauchzet Gott alle Lande, lobsinget zur Ehre seines Namens“. So erfüllt sich noch in all dem Schmerz des Abschieds, was dieses Leben war: Ein Gesang,  ein Gesang zur Ehre Gottes.

Es war mitten in all dem Kriegsgeschrei der Kindheit und Jugend Tante Irene, die im  diese  Liebe zum Gesang vermittelte. Irene, zu Deutsch heißt das Frieden. „Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden“, so singen es die himmlischen Chöre im Weihnachtsevangelium.  Es war auch sein Gesang, ein Leben lang. Er hat es dabei nicht bei himmlischer Harmonie belassen, sondern sich in den Konflikten und Widersprüchen dieser Welt engagiert.  Er war da, auch in den Disharmonien. Amnesty International oder Nicaraguainitiative, Obdachlosenhilfe oder GEW – sein Engagement für eine gerechtere Welt kam auch daraus, dass er diese Welt sehr wohl gesehen hatte, in ihr gereist ist, in ihr gelebt hat und das Seine tun wollte für gerechtere Verhältnisse.

Frieden in Gerechtigkeit, das betraf nicht nur das Zusammenleben der Menschen, sondern auch die Natur. Er hat diese Welt als Schöpfung Gottes begriffen, uns anvertraut nicht zur Ausbeutung sondern zum verantwortlichen Umgang, zum Bebauen und Bewahren. Daher auch sein Engagement im Naturschutzbund und seine Liebe zu den Vögeln, die Natur und Gesang verbanden.

Er war im Alter noch einmal in großer Treue die Stütze, an deiner Seite, liebe Gerda Kustermann. Ihr hattet noch soviel vor für die Zeit nach dem Beruf  und dann kam der Schlaganfall. Plötzlich war alles anders. Welche Hilfe er gerade jetzt war, wie gut es war,  dass er einfach da war, wer kann das besser ermessen als seine Ehefrau.

Da waren auch noch mal viele leidvolle Tage, Er  hat das alles mit großer Selbstverständlichkeit getragen soweit seine Kraft reichte. Sie reichte bis zum 84. Geburtstag. Und nun war es genug. Er wusste wohl in all dem, was hier zu Ende geht: da ist noch etwas anderes. Dietrich Bonhoeffer hat das so verdichtet:

„Wenn sich die Stille nun tief um uns breitet, so lass uns hören jenen vollen Klang, der Welt, die unsichtbar sich um uns weitet, all deiner Kinder hohen Lobgesang“.

So klingt es also nun zu uns herüber aus jener anderen Welt, der Lobgesang der Kinder Gottes aus Jahrtausenden:

„Jauchzet Gott alle Lande, lobsinget zur Ehre seines Namens

Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet.“

Er hat diese Güte erfahren, bis zu seinem letzten Atemzug in einem selbstbestimmten Sterben. Er war nicht allein. Seine Tochter bei ihm. Von seiner Enkelin Katja wusste er, dass sie nun groß wurde und begabt war in den Dingen, die auch sein Leben ausfüllten. Er war stolz darauf. Es half ihm nun auch ruhig und in Frieden zu gehen,  „behütet und getröstet wunderbar“. So verstarb er am Ende des Kirchenjahres.

Wir nehmen heute Abschied von ihm am Beginn einer neuen Zeit,  eines neuen Lebens. Carl Zuckmayer hat christliche Hoffnung einmal so beschrieben: Ich denke mir oft. Dass ich vor der Geburt von meiner Mutter umgeben war, in ihrem Leib, ohne sie zu kennen. Dann brachte sie mich zur Welt und ich kenne sie nun und lebe mit ihr. So, glaube ich, sind wir als Lebende von Gott umgeben, ohne ihn zuerkennen. Wenn wir sterben werden wir ihn erfahren, so wie ein Kind seine Mutter, und mit ihm sein. Warum soll ich den Tod fürchten?

Dietmar Kustermann hat den Tod nicht gefürchtet.

So betrachtet sind unsere Lieder heute ein Widerhall des Gesanges, der jetzt im Himmel anstimmt über der großen Freude, dass ein Menschenleben erfüllt ist, herangewachsen ist, am Ende auch vollendet für ein neues Leben in Gottes Ewigkeit. Wie das ist übersteigt unsere Vorstellung, aber wir können es in Bilder besingen: „Kein Aug hat je gespürt, kein Ohr hat mehr gehört, solche Freude. Des jauchzen wir und singen dir, das Halleluja für und für.“

Wir kommen mit Schmerzen auf diese Welt und wir gehen mit Schmerzen. Größer noch aber als der Schmerz ist die Dankbarkeit für dieses Leben.  Darüber lasst uns das Lob Gottes anstimmen mit Hoffnung und Zuversicht  Wachet auf ruft uns die Stimme.

In dem Gästebuch auf dieser Seite können Sie Ihre Gedanken zu dem Verstorbenen hinterlassen

Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü